Auf dem Weg zum Marathon

Frankfurt Marathon 2019

Auf dem Weg zum nächsten Marathon kommt man immer an den ein oder anderen Wettkampf vorbei, bei dem man auf der einen Seite testen kann, wie der aktuelle Fitnessstand ist als auch auf der anderen Seite das Training mit einem intensiven Tempotraining aufwerten kann. Diese Wettkämpfe möchte ich Dir unter diesen Beitrag vorstellen.

2. Wettkampf – Halbmarathon Bad Soden

Zum dritten Mal in Folge stehe ich am ersten Wochenende im September am Start des Bad Sodener Halbmarathon (Wuzzelauf). Ein um Halbmarathon, welcher mit seinen Steigungen und Gefälle um die 15%, sowie seiner Streckenführung über Waldweg und Wiese nicht für Bestzeiten aber durchaus für ein gutes Kraftausdauertraining gemacht ist.

Start:
Pünktlich um 09:00h fiel der Startschuss … auch in diesem Jahr nicht. Also standen wir da, an der Startlinie, bei Regen, einige wenige in sehr kurzer Bekleidung, bei 12 Grad C. Den meisten Läufern schien das nicht besonders zu gefallen, weswegen sie bei der Ansprache des Bürgermeisters schon mehrfach laut einen Countdown starteten. Dann schaltete sich der Veranstalter ein und der echte Countdown startete.

3…2…1… Los!
Ich kam nicht ganz so gut vom Start weg und überschritt die Startlinie erst als 5ter. Neben mir Florian Reus und einige andere, welche wie man hörte für Platz 1 in frage kämen. Auf den ersten 100 des ersten recht steilen Hügels direkt nach dem Start, holte ich aber schon zu Platz 1 auf. Schönes Gefühl, Mal wieder hier an der Spitze zu laufen aber die Platzierung und all die anderen Läufer waren mir ehrlich gesagt im Moment recht egal. Was ich wollte war den erst 2 Jahre alten Streckenrekord brechen und damit schneller sein als jede andere gelaufene Zeit der letzten 11 Jahre. Mein einziger Gegner also: Die Zeit!

Der erste Kilometer ist rum und ich setzte mich bereits vom Feld ab. Da die Erfahrung der letzten Jahre zeigte, dass die anderen Läufer zwischen KM 3-4 aber wieder bei mir sind schaute ich mich nochmal um. Da war jemand mit einem roten Oberteil ….. Vielleicht kommt der ja noch, vielleicht läuft er aber auch bloß die 10km … Mal schauen was passiert. Mit einem Blick auf die Uhr fühlte ich mich meinem Streckenrekord etwas sicherer, denn ich war zu diesem Zeitpunkt schneller als je zuvor und fühlte mich trotzdem so, als könne ich das Tempo weiter steigern. Kilometerschnitt 3:25min. Die Steigungen, welche das Rennen ausmachen kommen allerdings mich auf mich zu. Also locker weiter laufen und mental darauf vorbereiten. Dann kam der erste Knackpunkt, „Heartbreak Hill“ wird dieser auch liebevoll genannt. Da ich dieses Jahr aber einiges an Höhenmeter trainierte, stellte dieser keine Probleme für mich da. Selbst der zweite Hügel, welcher etwas über einen Kilometer lang ist und stellenweise 31% Steigung aufweist konnte zwar mit einem leichten brennen in den Oberschenkeln aber leichter als in den vergangenen Jahren erlaufen werden. Die erste Hälfte des Rennens lief erstaunlich gut und ich lief sogar vor den gleichzeitig gestarteten 10km Läufern über die 10km Marke.

Jetzt kommen aber nochmal 11km auf mich zu. Mein Gedanke: „Wenn ich jetzt das Tempo halte, laufe ich einen um etwa 3min verbesserten Streckenrekord. Ein gutes Puffer um zu schwächeln“. Bei der nächsten Kurve schaute ich mich um, denn wer jetzt noch da ist, der Läuft den Halbmarathon. Da war aber keiner. Oder doch? Egal, weiter geht’s. Mit jeder Kurve kam nun auch der Blick nach hinten und manchmal war ich der Meinung, da ist jemand. Leicht mache ich es ihm aber nicht. Mit jedem Hügel, bei jeder Steigung und bei jeder Kurve, die ich fast verpasste, stieg das Adrenalin. Kostet alles Zeit. Er kommt näher. Beim Blick zurück sah ich da noch jemand …. Oder war es bloß ein Schild? … Eine Pflanze? …. Ich weiß es nicht. Die kommenden Hügel und markanten Steigungen steckte ich aber weiterhin gut weg und ich war zumindest schnell genug, dass die Streckenposten sehr überrascht schienen mich schon zu sehen. Die letzten beiden Kilometer, ich war mir sicher den nächsten Läufer gesehen zu haben und erhöhte nochmals das Tempo. „Jetzt noch zweiter werden ist auch blöd“. Es ging leicht bergauf, vielleicht 6% und dann abflachend. Jetzt bloß noch das Tempo halten. Die letzten 100m, bergab, links, Uhr checken ….. Streckenrekord um knapp 3min.

Der andere Läufer, den ich sah, war wohl bloß eine optische Täuschung (Halluzination) oder der ehemalige Sreckenrekordler, dessen „Ghost“ mich herausforderte. Denn mein Vorsprung zu Platz 2 betrug gut 7min

Krass! Mein Training funktioniert.



1. Wettkampf – 10km Waldlauf am 18.08.2019

Kurz vor dem Start. Ich mache mich noch etwas warm. Mein Teamkollege und Freund Martin läuft mir über den Weg und sagt mit nicht gerader begeisterter Stimme, das heute einige doch recht schnelle Läufer am Start sind aber das eine Podiumsplatzierung für einen von uns beiden sicher noch drin ist. Ich hoffe, aufs Podium zu kommen. Mal sehen.

09:00h Startschuss. Ich war etwas überrumpelt von dem plötzlichen Startschuss und machte meinen ersten Schritt erst nach allen anderen, konnte dann aber recht schnell die Führung übernehmen und einen Vorsprung rausholen. Hinter mir hörte ich dann doch direkt diese Schritte, welche einem verbieten langsamer zu werden. Der nächste Läufer wollte mir den Platz streitig machen. Als wir auf einen Singletrail kamen hatte ich ein mieses Gewissen und die Verpflichtung mindestens sein Tempo zu halten, wie sich rausstellte hat er sich damit wohl selbst abgeschossen. Das Tempo gelang mir aber recht gut und eine kleine Erhöhung wäre sogar noch drin gewesen. Ich konnte sogar ein paar Meter gut machen und lief wegen der Energieeffizienz jetzt nicht noch schneller. Er greift sicher nochmal an, dachte ich mir. Die ersten 3km versuchte ich also noch sowohl vorne zu bleiben, als auch ihn näher an mich ran kommen zu lassen. Ich spielte mit ihm und hoffte, er spielt mit. Er kam aber nicht heran und als ich mich bei KM 5 nochmal umdrehte, merkte ich, dass er immer mehr Abstand zu mir hatte. Ich zog das Tempo also wieder leicht an und hoffte noch, dass Martin wenigstens auf Platz 3 landet. Am Wendepunkt sah ich dann, dass er mit hoher Sicherheit nicht vierter wird. Irgendwann außerhalb meines Sichtfeldes hat er den anderen Läufer dann sogar noch eingeholt. Als ich ihn damit an zweiter Stelle sah, war meine Freude doppelt so groß, denn Platz 1 und 2 gehen damit an unser Team. Noch 3 Kilometer… Ich zog wieder sachte das Tempo an und wusste, wenn jetzt nichts dazwischen kommt geht der Sieg an mich. Mega. Zielgerade. Sieg. Waldlauf 10km in 36:45 – für diese Strecke bin ich zufrieden.

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Letzter Marathon – Hamburg 2019

Regen, nass, kalt. Oder wie Runner´s World schrieb: „Schwierige Bedingungen mit deutlich mehr Regen als vorhergesagt“. So könnte man den Start beschreiben. Nass und kalt genug um zu wissen, mein Optimum hole ich heute nicht raus. Im besten fall eine 2:35h und auf jeden Fall, egal wie sehr ich dafür leiden muss (und ich musste sehr leiden) eine Zeit unter 2:39h

Mit einem gelben Sack zum Schutz vor Regen und Wind über dem Shirt und Armen gehe ich zu meinem Startblock. Die Augen suchend nach meinem Kontrahenten aus der Mainmetropole. Ihn galt es heute zu besiegen. Zumindest war das die von #BREAKING1 gestellte Aufgabe (Quasi eine Revenge zum letzten Lauf). Ich machte ihn ausfindig, wir sprachen über unser Tagesziel welches bei ihm so wie bei mir des Wetters wegen auf 2:35h korrigiert wurde . Wir wünschten uns noch viel Erfolg und liefen kurz danach los. Jetzt gilt es! Gewinnt heute die Lauf- und Wettkampferfahrung eines spezialisierten Halbmarathonis mit Marathonerfahrung (er) oder meine Marathon-Spezialisierung?

Ich ließ es langsam anlaufen und beendete den ersten Kilometer in 3:40min, den zweiten lief ich dann schon etwas schneller in 3:31 bei 8m gefälle. Ab dem vierten Kilometer passte ich nach und nach meine Pace dem ursprünglich geplanten Wettkampftempo für die 2:30h an. Um mir darüber während des Laufens keine Gedanken machen zu müssen schloss ich mich einem Duo aus Staffelläufer (Pacer) und Marathoni an, die eine Pace von 3:30 – 3:33 laufen wollten. Sehr praktisch, denn genau das wäre ja meine Pace für die 2:30h gewesen. Schon beim elften Kilometer merkte ich aber, ich hätte bei den 2:35h Ziel bleiben sollen, denn egal wie ich das Tempo anzog, die Muskeln wurden immer kälter. Ich schaute auf die Uhr. „Noch vier Kilometer bis ich an Mirco mit meiner ersten Flasche vorbei komme. So lange halte ich das Tempo, danach versuche ich auf 1:15:30 über die 21,1km zu laufen und sehe dann weiter“. Auf Kilometer 15 wartend lief ich im Trio (inkl. mir) auf der Suche nach Mirco, der sich bereits sorgte, weil ich ab dem 10. Kilometer keine GPS Bewegung mehr hatte an ihm vorbei. „Wo ist er?“ Auf einmal rief jemand von hinten: „Domiiniic!!!“ Mist! Verpasst. Ich drehte mich um, wir rannten uns entgegen und mit der Flasche in der Hand schloss ich mich wieder dem Duo an. Der Staffelläufer verabschiedete sich jetzt, der andere Marathoni schlug vor im Kilometerwechsel Windschatten zu geben. Ich sagte ihm, dass ich das Tempo nicht halten werde. Meine Knie, Fußgelenke (Knöchel) und Unterarme waren gefühlt eingefroren. Ich bat ihm aber an, in meinem Windschatten zur nächsten Gruppe aufzuschließen und mich dann mit gedrosseltem Tempo zu verabschieden. Das taten wir auch. Lange blieb ich aber nicht allein, denn Mirco fuhr mir auf seinem Rad hinterher und stalke mich unauffällig zwischen KM 19 und 21 bis er dann die Marathon-Strecke verließ und ich mit einer Punktlandung die 21,1km mit 1:15:30 überquerte (37sek vor meinem Kontrahenten). Die Kälte hat mir aber bereits sehr zugesetzt und ein Negativsplit auf 1:14:30 schien mir nicht sinnvoll. Ich nahm Tempo raus und merkte jetzt noch, was eigentlich niemals im Wettkampf passieren sollte. Ich musste auf Toilette. Pech! Ein halber Marathon ist noch zu laufen. Körpercheck: Die Beine waren noch Top, der Energiehaushalt war im geplanten Bereich, die Körperliche Verfassung war wie bei einem Eiszapfen. Mit meinem Kontrahenten im Nacken versuchte ich trotzdem noch unter 2:35h zu bleiben und rechnete immer wieder meine Zielzeit hoch. Eine 2:35h muss doch drin sein. Bei KM25 sah ich dann auch schon den Eric am Ende der geraden. Er machte einen sehr nervösen Eindruck und spiegelte damit klar seine Gedanken wieder, wie sich später zeigte:
Zitat: Ich habe mich gefragt ob ich die Flasche auf oder zu lassen soll, außerdem fragte ich mich ob ich dich erkenne aber du warst dann doch schon aus 200m deutlich erkennbar.

Ich lief zu ihm „Danke, Bro“ , nahm die Flasche entgegen und lief weiter. Ich hatte kein Bock auf das Getränk aber musste mein Energielevel halten. Also runter mit den Kohlenhydraten. Noch 17km, also quasi nichts! Der Kampf gegen die Uhr ging weiter und mein Gedanke drehte sich mit jedem Kilometer mehr darum wo denn mein Kontrahent ist. „Einfach weiter laufen. Er ist schnell, er kann bei gutem Wetter 2:30h laufen, ich aber auch. War seine Technik heute besser? Hat er mich gleich?“ Bei KM27 dann ein stechender Schmerz in der Hüfte und bei KM28 machte das Knie auf der selben Seite auch noch schlapp. Außerdem muss ich schon seit 8 Kilometer auf Toilette :/ . Toll. Kalt, Regen, Wind, und jetzt das. Naja, bald geschafft. Ein Blick auf die Uhr. Noch 12km, es geht zum Ende. In 5km gibt es nochmal Energie vom Mirco und dann ab ins Ziel. Ab KM30 dann mit Angst vor meinem Kontrahenten als ständiger Begleiter. Mit jedem Schritt meldete sich das Knie und die Hüfte. Holt er mich wieder auf den letzten 10km wie bei unserem letzten Zusammentreffen? KM35, Mirco ist da, mein Energielevel geht es gut. Die Flasche nem ich trotzdem, auch 7km können einem das Genick brechen und ich wurde auch so schon gerade von 3 Läufern überholt. Bis KM38 trinke ich die 0,33l nun ging es zum Enspurt. Noch 4km. Ich schaute nochmal nach hinten, er war nicht zu sehen. Die 2:35 nicht mehr erreichbar. Bloß nicht aufgeben. 39…40…41… Ich überholte die Läufer, die mich auf den letzten 5km überholten wieder und erntete unglaubwürdige Blicke. Gutes Gefühl. KM42 wo ist das Ziel? Roter Teppich, ich überholte noch einen Läufer. Wieder ein unglaubwürdiger Blick. 2:38:xx ….. Oke, die 2:39 bleibt unterboten. Mit einer Hüfte und einem Knie die nicht mehr wollten kämpfte ich mich ins Ziel. 2:38:24

Das Optimum habe ich weit verfehlt aber das war klar. Wie sich rausstellte habe ich aber meinen Kontrahenten, der garantiert auch 2:30h laufen könnte um 3,5min hinter mir gelassen

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28.10.2018 Frankfurt Marathon

„FCK, es geht los“

Eigentlich wollte ich ja erst in Frankfurt beim Marathon an den Start gehen, wenn ich theoretisch in der Lage bin diesen in 2:20h zu finishen. Da es aber der 37.Frankfurter Marathon war und die 37 meine Zahl ist, konnte ich nicht anders als zu starten.

Start 10:00h:
Ich stehe schon um 09:50h an der Startlinie… und friere. Eiskalt. Einige Läufer stehen hier mit Rettungsdecke, einige mit Jacke oder Pullover die sie kurz vor dem Start aus den Startbereich über den Zaun werfen. Das mit den Rettungsdecken mache ich beim nächsten Mal auch, denke ich mir.

Startschuss: Der Block setzt sich in Bewegung, meine Gedanken: FCK, es geht los und ich bin mittendrin. Unser Startbereich, etwa 100m vor der eigentlichen Linie. Es ist ein Gedränge und Geschubse. Jeder will so gut es geht vor dem anderen laufen. Ich versuche bloß zu laufen. Es geht ziemlich leicht voran. Zu leicht. Ich checke die Uhr. Meine Pace sagt: 3:28min beim ersten Kilometer. Zu schnell. Tempo raus nehmen und andere überholen lassen. Ich versuche die Pace auf 3:33min/km zu kommen aber auch der zweite KM ist zwei Sekunden zu schnell. Oke, anpassen, nicht denken, laufen. Ehe ich mich versehe laufe ich schon an KM5 vorbei und bald darauf an KM10, den ich ziemlich genau nach 36min überlaufe. Alles nach Plan. Bis zum Halbmarathon sind es noch 11km und geplant ist der bei etwa 1:16h. Auch hier läuft noch alles wie gewollt. HM in 1:16:41 und voll in Time. Ab jetzt wollte ich mir auf Anraten von Freunden und bekannten eine Gruppe suchen und im Windschatten laufen. Die zweite Hälfte war in 1:15h angedacht. Aber – No Way. Keine Gruppe, der Wind und leichte Atemprobleme (wohl wegen des Windes?). Während bis KM25 das Tempo noch weitgehends gehalten werden konnte liefen wir aber auch immer deutlicher gegen den Wind. Keine Chance, nicht mein Tag und ich werde langsamer. Aus den 2:30-2:35h wurde jetzt ein „gib nicht auf, du bist gleich im Ziel“. Ich weiß was ich kann. Aufgeben gehört nicht dazu. Kämpfen schon. Ich werde überholt und überhole andere. Die letzten 4KM. Ziellinien fight. Kurz nochmal mit dem Wind laufen und dann wieder 2km dagegen. Der Startbogen ist in Sichtweite, das Ziel zum Greifen nah. Da ist die Halle, der rote Teppisch, das Ziel. Durch… 2:40:20 … unzufrieden (Wenigstens Platz 237 und damit wieder eine 37 dabei). Raus aus der Halle. Medallie abholen, was trinken und merken wie die Beine jetzt dicht machen. Das wars…. Nächstes Mal 2:30? Auf jeden Fall Sub 2:40h!

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