MEIN Laufbericht

Hamburg Marathon 2019

Regen, nass, kalt. Oder wie Runner´s World schrieb: „Schwierige Bedingungen mit deutlich mehr Regen als vorhergesagt“. So könnte man den Start beschreiben. Nass und kalt genug um zu wissen, mein Optimum hole ich heute nicht raus. Im besten fall eine 2:35h und auf jeden Fall, egal wie sehr ich dafür leiden muss (und ich musste sehr leiden) eine Zeit unter 2:39h

Mit einem gelben Sack zum Schutz vor Regen und Wind über dem Shirt und Armen gehe ich zu meinem Startblock. Die Augen suchend nach meinem Kontrahenten aus der Mainmetropole. Ihn galt es heute zu besiegen. Zumindest war das die von #BREAKING1 gestellte Aufgabe (Quasi eine Revenge zum letzten Lauf). Ich machte ihn ausfindig, wir sprachen über unser Tagesziel welches bei ihm so wie bei mir des Wetters wegen auf 2:35h korrigiert wurde . Wir wünschten uns noch viel Erfolg und liefen kurz danach los. Jetzt gilt es! Gewinnt heute die Lauf- und Wettkampferfahrung eines spezialisierten Halbmarathonis mit Marathonerfahrung (er) oder meine Marathon-Spezialisierung?

Ich ließ es langsam anlaufen und beendete den ersten Kilometer in 3:40min, den zweiten lief ich dann schon etwas schneller in 3:31 bei 8m gefälle. Ab dem vierten Kilometer passte ich nach und nach meine Pace dem ursprünglich geplanten Wettkampftempo für die 2:30h an. Um mir darüber während des Laufens keine Gedanken machen zu müssen schloss ich mich einem Duo aus Staffelläufer (Pacer) und Marathoni an, die eine Pace von 3:30 – 3:33 laufen wollten. Sehr praktisch, denn genau das wäre ja meine Pace für die 2:30h gewesen. Schon beim elften Kilometer merkte ich aber, ich hätte bei den 2:35h Ziel bleiben sollen, denn egal wie ich das Tempo anzog, die Muskeln wurden immer kälter. Ich schaute auf die Uhr. „Noch vier Kilometer bis ich an Mirco mit meiner ersten Flasche vorbei komme. So lange halte ich das Tempo, danach versuche ich auf 1:15:30 über die 21,1km zu laufen und sehe dann weiter“. Auf Kilometer 15 wartend lief ich im Trio (inkl. mir) auf der Suche nach Mirco, der sich bereits sorgte, weil ich ab dem 10. Kilometer keine GPS Bewegung mehr hatte an ihm vorbei. „Wo ist er?“ Auf einmal rief jemand von hinten: „Domiiniic!!!“ Mist! Verpasst. Ich drehte mich um, wir rannten uns entgegen und mit der Flasche in der Hand schloss ich mich wieder dem Duo an. Der Staffelläufer verabschiedete sich jetzt, der andere Marathoni schlug vor im Kilometerwechsel Windschatten zu geben. Ich sagte ihm, dass ich das Tempo nicht halten werde. Meine Knie, Fußgelenke (Knöchel) und Unterarme waren gefühlt eingefroren. Ich bat ihm aber an, in meinem Windschatten zur nächsten Gruppe aufzuschließen und mich dann mit gedrosseltem Tempo zu verabschieden. Das taten wir auch. Lange blieb ich aber nicht allein, denn Mirco fuhr mir auf seinem Rad hinterher und stalke mich unauffällig zwischen KM 19 und 21 bis er dann die Marathon-Strecke verließ und ich mit einer Punktlandung die 21,1km mit 1:15:30 überquerte (37sek vor meinem Kontrahenten). Die Kälte hat mir aber bereits sehr zugesetzt und ein Negativsplit auf 1:14:30 schien mir nicht sinnvoll. Ich nahm Tempo raus und merkte jetzt noch, was eigentlich niemals im Wettkampf passieren sollte. Ich musste auf Toilette. Pech! Ein halber Marathon ist noch zu laufen. Körpercheck: Die Beine waren noch Top, der Energiehaushalt war im geplanten Bereich, die Körperliche Verfassung war wie bei einem Eiszapfen. Mit meinem Kontrahenten im Nacken versuchte ich trotzdem noch unter 2:35h zu bleiben und rechnete immer wieder meine Zielzeit hoch. Eine 2:35h muss doch drin sein. Bei KM25 sah ich dann auch schon den Eric am Ende der geraden. Er machte einen sehr nervösen Eindruck und spiegelte damit klar seine Gedanken wieder, wie sich später zeigte:
Zitat: Ich habe mich gefragt ob ich die Flasche auf oder zu lassen soll, außerdem fragte ich mich ob ich dich erkenne aber du warst dann doch schon aus 200m deutlich erkennbar.

Ich lief zu ihm „Danke, Bro“ , nahm die Flasche entgegen und lief weiter. Ich hatte kein Bock auf das Getränk aber musste mein Energielevel halten. Also runter mit den Kohlenhydraten. Noch 17km, also quasi nichts! Der Kampf gegen die Uhr ging weiter und mein Gedanke drehte sich mit jedem Kilometer mehr darum wo denn mein Kontrahent ist. „Einfach weiter laufen. Er ist schnell, er kann bei gutem Wetter 2:30h laufen, ich aber auch. War seine Technik heute besser? Hat er mich gleich?“ Bei KM27 dann ein stechender Schmerz in der Hüfte und bei KM28 machte das Knie auf der selben Seite auch noch schlapp. Außerdem muss ich schon seit 8 Kilometer auf Toilette :/ . Toll. Kalt, Regen, Wind, und jetzt das. Naja, bald geschafft. Ein Blick auf die Uhr. Noch 12km, es geht zum Ende. In 5km gibt es nochmal Energie vom Mirco und dann ab ins Ziel. Ab KM30 dann mit Angst vor meinem Kontrahenten als ständiger Begleiter. Mit jedem Schritt meldete sich das Knie und die Hüfte. Holt er mich wieder auf den letzten 10km wie bei unserem letzten Zusammentreffen? KM35, Mirco ist da, mein Energielevel geht es gut. Die Flasche nem ich trotzdem, auch 7km können einem das Genick brechen und ich wurde auch so schon gerade von 3 Läufern überholt. Bis KM38 trinke ich die 0,33l nun ging es zum Enspurt. Noch 4km. Ich schaute nochmal nach hinten, er war nicht zu sehen. Die 2:35 nicht mehr erreichbar. Bloß nicht aufgeben. 39…40…41… Ich überholte die Läufer, die mich auf den letzten 5km überholten wieder und erntete unglaubwürdige Blicke. Gutes Gefühl. KM42 wo ist das Ziel? Roter Teppich, ich überholte noch einen Läufer. Wieder ein unglaubwürdiger Blick. 2:38:xx ….. Oke, die 2:39 bleibt unterboten. Mit einer Hüfte und einem Knie die nicht mehr wollten kämpfte ich mich ins Ziel. 2:38:24

Das Optimum habe ich weit verfehlt aber das war klar. Wie sich rausstellte habe ich aber meinen Kontrahenten, der garantiert auch 2:30h laufen könnte um 3,5min hinter mir gelassen

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