Testbericht Nike Air Zoom Tempo Next %

23.09.2020, seit fast 2 Wochen ist nun der Nike Air Zoom Tempo Next %, die Alltags-Trainings-Version des Nike Air Zoom Alphafly Next % (im weiteren Verlauf „Tempo Next%“ und „Alphafly“ genannt) auf dem deutschen Markt erhältlich. Das Versprechen: Sehr schnell, sehr reaktiv und sehr langlebig. Mit diesem Schuh soll man auch im Training Geschwindigkeiten wie im Wettkampf laufen können, einer Ermüdung vorbeugen und natürlich seine Bestzeiten im Wettkampf knacken können. Viele Versprechen für einen stolzen Preis von 199,99€. Ob Nike seine Versprechen halten kann habe ich für Dich in einer Gegenüberstellung mit dem Alphafly getestet.

Das erste Gefühl – Der erste Eindruck:
Beim ersten anprobieren des Tempo Next% merkte man deutlich, das dieser wesentlich direkter als sein großer Bruder der Alphafly ist. Woran das liegt ist auf den ersten Blick noch nicht ersichtlich. Zwar ist der Aufbau der Außensohle, wie bereits von Nike im Vorfeld angekündigt, etwas abgewandelt und man findet im Bereich der Ferse nicht wie beim Alphafly den ZOOMX sondern den React Schaum, das direktere Gefühl hat man aber tatsächlich vom Mittelfuß bis zu den Zehen, wo beide mit dem ZOOMX Schaum ausgestattet sind. Auffällig ist auch, das die Air-Pod Stollen (Künftig „Stollen“ gennannt) welche sowohl beim Alphafly wie auch beim Tempo Next% vorhanden sind, beim Tempo Next% nicht frei stehen. Während der Alphafly kurz vor den Stollen kein Kontakt mit dem Boden mehr hat (siehe Bild), befindet sich beim Tempo Next% nochmal ein ZOOMX abschnitt, was schon rein objektiv betrachtet die Funktionsweise der Stollen beeinträchtigt. Auch im Upper des Tempo Next% finden sich kleine aber feine und entscheidende Unterschiede gegenüber des Alphafly. So besteht das Upper beim Tempo Next% aus dem altbekannten Flyknit, wo es beim Alphafly zur Gewichtsersparnis aus dem neu entwickelten AtomKnit besteht. Leider sind auch die Schnürsenkel wieder zurück zum Ausgang gegangen. Wer beim Alphafly aufmerksam war, hat festgestellt, dass diese eine gezackte Form haben. Dieses ist ein einfacher und effektiver Weg um das selbstständige Öffnen der Schnürsenkel bei Nässe zu verhindern. Das man darauf beim Tempo Next% verzichtet hat trifft bei mir auf Unverständnis. Kurzum: Obwohl die Schuhe auf Entfernung gleich aussehen, sind sie doch 2 komplett verschiedene Modelle.

Lauferfahrung mit dem Tempo Next%
Ich lief mit dem Tempo Next% sowohl auf flachen, wie in hügeligen Bereichen, auf befestigten Waldwegen, Asphalt, Sandigen Straßen und auf der Tartanbahn. Die gesammelten Erfahrungen dabei waren kurz gesagt: „Ja, Nein, … ich meine Jain und vielleicht“.

Erster Lauf – keine Liebe auf den ersten Blick:
Gedanke: „Für meine Bedürfnisse ist dieser Schuh einfach viel zu klobig und schwer um ein wirklicher Tempo-Schuh zu sein, das habe ich von anderen Marken bereits besser gesehen“. Überraschenderweise hat Nike das sogar genau so noch vor der Veröffentlichung des Tempo Next% bestätigt.

(Alphafly) Zitat: Während des Tests stellte das Nike Innovation Team fest, dass der Schuh mit zusätzlichen Schaumstoff und den beiden Zoom Air-Stollen unter dem Fuß insgesamt schwerer wurde. Um das Gewicht zu reduzieren, entwickelte das Nike Innovation Team ein neues FlyKnit-Obermaterial namens AtomKnit.

Welch Überraschung ist dieser Schuh mit dem alten Material, dem React und dem zusätzlichen ZOOMX-Schaum vor den Stollen schwerer geworden als ich mir einen Schuh für schnelle Einheiten wünsche (und kenne). Da ich beim ersten Lauf noch so etwas wie die ZOOM FLY Schuhe erwartet habe, bei dem der Fuß in jeder Phase des Laufes frei war, fühlte ich mich durch die Führung des breiteren Sohlenaufbaus dank der Stollen etwas unwohl. Das war nicht mein natürlicher Laufstil und ich musste mich da erstmal rein finden. An wirklich schnelles Laufen war an diesen Tag nicht zu denken, da ich aber im Vorfeld schon einen 30km Lauf absolviert hatte, beendete ich diesen Testlauf nach 8km auf der Stadionrunde und dem Fazit. Den mag ich nicht.

Beim zweiten Lauf:
Da ich nun wusste, worauf ich mich einlasse, bin ich an diesen Tag ganz anders an den Test ran gegangen. Ich betrachtete den Schuh als das was er auch ist… Etwas völlig neues im Trainingsbereich. Es ging auf eine flache Asphalt-Strecke und dem Willen 5x2000m in 3:20min/km zu laufen. Heute ging es darum das Tempoverhalten des Schuhs zu analysieren. Wie führt er meinen Fuß? Wie lässt er mich bei hohen Tempo abrollen? Wie Stabil/Instabil /bleibt/wird er? Bei den Abschnitten der Beschleunigung fiel mir auf, im Vergleich zu meinen Wettkampfschuhen inkl. dem Alphafly musste ich für diese Einheit wesentlich mehr Kraft aufwänden, erstaunlicherweise verhielt sich der Schuh aber so, dass wenn die ersten 100m im geplanten Tempo gelaufen waren ein Support zu spüren war. Dieser Schuh mag scheinbar keine Beschleunigung aber wenn es darum geht ein Tempo zu halten, dann tut er genau das. Im Grunde also ein echter Langstreckenläufer, der mit Sprints und Tempospitzen nicht viel anzufangen weiß. Zudem spürte ich eine dezente Führung des Schuhs, selbst bei höheren Tempo, welche wohl auf eine direktere Sohle hinzuführen war und damit meiner Erfahrung nach im Gegensatz zum Alphafly wohl auch kleinere Fußfehlstellungen verzeiht. (Der Tempo Next% sollte trotzdem als Neutralschuh betrachtet werden).
Ps: Bei Sand auf Asphalt findet auch dieser Schuh keinen Grip

Der Lauf ohne Gnade:
Nachdem der Tempo Next% und ich uns langsam anfreunden konnten, sollte es für ihn aus der Komfortzone gehen. Dazu ging es nach einem kurzen Abschnitt auf Asphalt über 500m Pflasterstein, wo sonst lässt sich besser testen wie gut der Fuß im Schuh sitzt. Wenig überraschend war, das da kein Rutschen war und man ohne drüber nachzudenken das Tempo sogar noch erhöhen konnte. Um eventuelle Reibungen im Fersen/Sehnen Bereich zu erkennen führte mich die Strecke anschließend direkt ein paar Hundert Meter Downhill um sofort wieder auf einem Singletrail mit linksseitigem Abhang bergauf zu rennen. Auch in diesem Bereich war da weder ein Verrutschen, noch Reibung zu spüren. Downhill im Wald und eine befestigte Sandstraße machte der Schuh auch Problemlos mit, sodass ich trotz trockener Verhältnisse sagen kann, Nike hat aus seinen Anfängen gelernt und den Schuhen auch für nassen Asphalt genügend Grip mitgegeben. Selbst die verschiedenen Kombinationen der Profile auf meinen 15km diesen Tages zeigten, dass der Schuh fast alles mitmacht was man von ihn verlangen kann. Einziges was ich auf meiner Strecke zu bemängeln hatte waren engere Kurven. 90Grad und schärfer, welches im Wettkampf durchaus Mal vorkommt sind im erhöhten Tempo wegen der Stollen nicht möglich, da der Schuh eine unvorteilhafte Kurvenlage aufweist. In einem gepflegten Zweikampf sollte man also beten, keinen Wendepunkt vor sich zu haben 😉

Summa summarum ist der Tempo Next% spürbar als Trainings und Vorbereitungsschuh zum Alphafly entwickelt worden, bei dem man mit seinen Besonderheiten klar kommen muss um das Bestmögliche aus dem Alphafly raus zu holen. Mit der flexibleren Carbonplatte und den Zoom Air-Pod kann der Tempo Next% vor allem auf längeren Läufen punkten. Als eigenständigen Tempo oder gar Wettkampfschuh würde ich diesen aber nicht nutzen. Da gibt es wesentlich leichtere, und günstigere Schuhe mit denen man den Tempo Next% im Training locker überholt und am Folgetag mehr Energie für die nächste Einheit des Tages hat.













Tempo Next % vergleich Alphafly
Gewicht:              279grm gegenüber 210grm
Sprengung:         10mm gegenüber 4mm
Pronation:           beide Neutral
Profil:                   beide Straße

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